Wenn wir über einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur inclusive unserer Mitmenschen sprechen, hören wir oft den Satz: “Übernimm Verantwortung für die kommenden Generationen!” … oder “Übernimm Verantwortung für die, die keine Stimme haben wie die Tiere, Bäume und Pflanzen”…
Nicht, dass ich diese Sätze falsch finde. Nur wird der Fokus oft auf ein “Verantwortung für andere Menschen oder Dinge tragen” gelegt anstatt auf eine mindestens genauso wichtige Aufgabe, nämlich erst einmal die Eigenverantwortung für sich selbst bewusst und vollständig anzuerkennen.
Lebst du noch oder verdrängst du schon? Ach ne….
Gedanken wie “Och nää, ich allein kann doch sowieso nichts ändern”, “Meine Anstrengungen werden eh nichts bringen” oder “Wie und wo sollte ich überhaupt anfangen?” führen leicht zu Schuldzuweisungen, und einem unschönen Gefühl von Machtlosigkeit und hoher Fremdbestimmung. “Das alles liegt einfach nicht mehr in meinen Händen” oder “Ich habe die Übersicht und Kontrolle verloren, das bringt alles nichts” – so oder so ähnliche Gedanken sind allgegenwärtig. Das doofe daran ist, dass sie uns eigentlich in keinster Weise helfen und nur eine mentale Patt-Situation hervorrufen. Solch eine “Schockstarre” können wir eigentlich zur Zeit auf einer gesellschaftlicher Ebene wahrnehmen. Die vielen Krisen lassen uns gefühlt eher weniger hinschauen als mehr, ’cause it ain’t pretty!
Die Ängste vor z.B. der Klimaveränderung, Gesundheit, der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit, der (eigenen) wirtschaftlichen oder emotionalen Unsicherheit, dem Kontrollverlust usw., die uns überhaupt erst zu solchen Gedanken und der Frage gebracht haben, wird durch diese Haltung ja auch leider nicht verschwinden. Das heißt, eigentlich schießen wir uns mit solch einer “fremdbestimmten” Haltung gleich doppelt ins eigene Bein. Wir schieben die Schuld und unsere negativen Gefühle nicht nur auf andere Leute ab, sei es die Familie, Freunde, Fremde, andere Länder, Politiker, oder den Staat, und verharren im Nichtstun, sondern verdrängen auch die damit verbundenen aufkommende Gefühle. Weeell, und wer schon einmal einen Therapeuten als Vater hatte, weiß: Das ist niemals gut!
Vom Aussteiger zum Einsteiger
Also stecken wir den Kopf nicht in den Sand, schauen wir hin, steigen wir nicht aus aus der Gesellschaft, aus Politik, aus Initiativen, aus Projekten, aus unseren Gefühlen und Ängsten, sondern volle Pulle rein! Das mag vielleicht schmerzhaft erscheinen und teilweise sein, aber lässt uns die verzerrte Realität mit der Echtheit der Zeit, ein Konkurrenzgefühl mit Solidarität und ein oft überspieltes “Alles ist supi” mit Verletzlichkeit und Stärke ersetzen. Wenn es alle tun würden, wäre es auch gar nicht so schwer…
Ein großer Schwerpunkt der Permakultur liegt darin genau dies zu erreichen und hilft uns Menschen, in einer Welt, in der “alles ein bisschen außer Kontrolle” erscheint in unsere Eigenverantwortung zurückzufinden. Wenn wir akzeptieren, dass wir allein die Verantwortung für unsere Handlungen, Gefühle und Gedanken und daraus resultierenden Entscheidungen und Situationen tragen, nehmen wir unser Leben und unsere Umwelt ganz anders wahr, weil wir auf einmal sehen, wie viel Spielraum wir eigentlich besitzen die Dinge mitzugestalten!!!

How to: Eigenverantwortung
Da das eigentlich ein mega komplexes Thema ist aus den Bereichen der Psychologie und Soziologie, könnte man da jetzt wahrscheinlich besser ganz viele Bücher oder andere schlaue Menschen zu empfehlen. Da dies aber ja nicht der Sinn eines Blogs ist, werde ich einfach mal knapp zusammenfassen, was wir hier von der Permakultur dazu lernen. Ich hoffe ich schaff’ das einigermaßen kurz und verständlich.
1. Realisieren was für externe Faktoren auf uns einwirken von denen das Gefühl von “Fremdbestimmung” aufkommt. Ob es die Erwartungen von Gesellschaft, Kolleg*innen, Familie, Freunden sind oder Einflüsse aus Filmen oder Serien, (sozialen) Medien, Werbung und geschicktes Marketing von Firmen … es sind jedenfalls oft mehr als wir denken! Uns diesen Faktoren wirklich bewusst zu sein, lässt uns oft schon reflektieren was wir wirklich wollen und freier zu sein für die eigenen Bedürfnisse. Nur wenn wir diese kennen, können wir danach handeln.
2. Realisieren was für “innere” Faktoren, entstanden aus Erfahrungen des eigenen Lebens, unterbewusst auf uns einwirken – die uns geprägt haben, Vorurteile und bestimmte Gefühle und Gedanken hervorbringen, über die wir auch gefühlt keinen Einfluss haben. Uns dies bewusst zu machen gibt den gleichen Effekt und Blick auf unsere wirklichen Bedürfnisse!
3. Bewusster auf unsere Sprache achten (denn Sprache schafft Realität!):
– das Wort “müssen” mit “möchten” ersetzen und sich dann einfach mal fragen: äh, möchte ich das wirklich? Dann basierend auf der Erkenntnis, Alternativen abwägen und eine Entscheidung treffen! Vor lauter “muss-Sätzen” in meinem Leben treibt mich dieses “Spiel” noch in den Wahnsinn :-).
– das Wort “man” mit “ich” ersetzen. Beobachten wir uns selbst, wann wir die Worte MAN oder ICH verwenden und erforschen, wie sich das Ersetzen anfühlt, dann kann das schon einige Aha-Momente einfahren. So üben wir auf uns zu hören
– Verurteilungen und Bewertungen uns gegenüber anders angehen. Versuchen wir nicht direkt unsere Persönlichkeit zu verurteilen, sondern beziehen wir uns allein auf unser Verhalten. Das gibt uns viel mehr Raum und Chancen uns zu ändern und stempelt uns und andere nicht direkt ab oder steckt uns in Schubladen, sondern bezieht sich auf konkretes Verhalten. Beispiel: “Ich bin so faul” anders denken: “Wenn ich den ganzen Tag, wie heute, dumm rumsitze, fühl ich mich faul”. Kleine Veränderung, aber soll viel ausmachen. (Dies natürlich auch gerne gegenüber anderen Menschen üben)…
Ach, zur Sprache gibt es zu viele “Übungen” um sie alle hier zu nennen.
4. Sich dafür Zeit nehmen, und sich dann trauen die erkannten Bedürfnisse und Gefühle auszusprechen und zu teilen! Es gibt verschiedene Techniken und Konzepte, die uns hierbei helfen wie z.B. in den Konzepten der gewaltfreien Kommunikation.
4. noch ganz viel mehr, aber dieseR Post ist ja jetzt schon zu lang!!!
So weit, so gut! Es mag erscheinen, dass diese “Übungen” ja eher “nur” dafür da sind, mehr über sich herauszufinden. Wenn dieser Schritt jedoch getan ist, greift er oft automatisch in den nächsten Schritt der dann selbst bestimmteren Handlung.
Naja, das war jetzt erstmal eine kleine aber feine Kurzfassung zum Thema Eigenverantwortung, welches eben auch unter die soziale Permakultur fällt. Falls ihr noch mehr wissen möchtet, könnt ihr mir gerne spenden könnt ihr Fragen stellen, kommentieren oder ihr könnt auch hier mal abstimmen…ich hab’ nämlich dieses coole Umfrage-Tool gefunden:
Wichtig: Wenn wir uns einfach nicht mit anstrengenden Themen beschäftigen wollen, uns nicht bereit oder fähig fühlen, keine Zeit dafür haben oder machen möchten, dann sollten wir uns nicht in der “Bringschuld” sehen, dies trotzdem zu tun. Wir sind alle auf unseren eigenen Abenteuern unterwegs, leben in ganz individuellen Situationen mit eigenen Kapazitäten und Ressourcen. Letztendlich ist es auch ein Privileg sich überhaupt Gedanken machen – und Initiative ergreifen zu können für ein besseres Leben, ein Leben nach den eigenen Werten zu führen, und die Aufarbeitung von Angst und anderen Gefühlen anzugehen. Diesem Privileg nachzugehen und für eine gesündere und gerechtere Welt für alle, die es selber nicht können, zu kämpfen? Entscheiden wir ganz für uns selbst!
Die Ökos und andere selbsternannten Weltverbesserer können uns dazu auch manchmal ganz schön Druck machen (Thema: (externe) gesellschaftliche Einflüsse auf uns?). Und dat is doch völlig kontraproduktiv.
Also, macht euch locker! Tüdeldüüüüü

Wo kann ich was abstimmen ???
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