Permanente Kultur: was ist eine Nachhaltigkeitskultur?

Bevor ihr weiterlest, könnt ihr euch ja selber einmal diese Frage durch den Kopf gehen lassen: Wie sieht eine Kultur aus, die für mich nachhaltig erscheint? In der ich aber auch gerne lebe, in der es wert ist, ein erfüllendes Leben zu führen…und immer noch Spaß inne Backen zu haben. (Wie) passt Nachhaltigkeit und lebenswertes Leben für dich zusammen?

Jede menschliche Kultur, die als nachhaltig gilt, muss in der Lage sein, sich über Generationen hinweg selbst zu erhalten und alle Bedürfnisse zu stillen, ohne dass es zu katastrophalen, langfristigen Zusammenbrüchen führt (deswegen: permanente Kultur). Wir wissen mittlerweile, dass es energetisch unmöglich ist, dass, unsere industriemodernen Hochenergiegesellschaften sich so selbst weiter erhalten können! Wie sehr wir auch technisches Stühlerücken betreiben und Definitionen interpretieren, wir werden, wenn wir uns nicht ändern, so wie es David Holmgren in seinem Buch beschreibt, leider “mehr als nur ein Ausschlag in der langen Kurve der Menschheitsgeschichte sein” .

Ausschnitt aus seinem Buch: David Holmgren “Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen”, S. 37

Die Abbildung zeigt das Wachstum der Bevölkerung und des Energieverbrauchs und den prognostizierten Rücklauf. Stabil ist an der Industriekultur so wie an der Permakultur nur die Tendenz ihres Energieverbrauchs. Unsere gegenwärtige kulturelle und ökonomische Dynamik der Globalisierung steuert gradezu auf eine chaotische Klimax zu, die eine Wende vom wachsendem hin zum schrumpfenden Bevölkerungsanstieg und Energieverbrauch markiert. Die Corona Krise gebündelt mit dem Hoch der Klimakrise wird sehr stark als genau dieser Klimax gesehen. Viele sagen, dieser war schon vor Corona erklungen.

Viele sehen die Veränderungen, die die Welt von uns abverlangt, als beklemmend, verzichtend, rückläufig, ja einfach als schlecht an. Sie scheinen nicht an eine neue Welt zu glauben, in denen sie mit diesem “Verzicht” auch glücklich sein können. Wir wissen alle nicht, wie eine Welt, die innerhalb der planetaren Grenzen funktioniert, aussehen wird, sich anfühlen wird und wie schwierig (oder leicht) der Weg dorthin wird. Wie viel Bereicherung in dieser Entwicklung drin stecken kann, kommt vielen erstmal gar nicht in den Sinn. Dass es uns schwer fällt, “Schrumpfen” als etwas Positives zu betrachten, ist jedoch ganz normal und spiegelt die Vorherrschaft unserer Wachstumskultur wider.

Niemand weiß genau, wie weit wir entfernt sind von einer Zukunft, in der wir im Gleichgewicht mit der erneuerbaren Ressourcenbasis leben. Ein halbes, ganzes, mehrere Jahrhunderte? Paradoxerweise ist es leichter, diese nachhaltige Niedrigenergiekultur zu beschreiben und zu visionieren, als den Weg dorthin. Eine Möglichkeit, sich der Reise bewusster zu werden und Dinge konkreter benennen zu können, ist erstmal eine Gegenüberstellung von Merkmalen der alten und neuen Kultur (natürlich ist dies auf beiden Seiten sehr abstrakt und verallgemeinert dargestellt).

Holmgren’s Gegenüberstellung: Industriekultur vs. Nachhaltigkeitskultur.

Die konstruierte Gegenüberstellung der Hauptmerkmale der beiden Kulturen eignet sich dazu, größere Perspektiven einzunehmen und Bezugsrahmen zu kreieren, benennen und verstehen. In den Charakteristika einer Nachhaltigkeitskultur spiegeln sich langfristige ökologische Realitäten wider und sie führen einem, auf eingängige Weise, die grundlegende und weitreichende Natur jener Kulturwende vor Augen, zu der eben auch die Permakultur beitragen möchte und, es schon seit 40 Jahren vorbereitend tut. Eine Nachhaltigkeitskultur wird, u.A. nach David Holmgren, durch eine erneuerbaren Energiebasis, zyklische Ströme, dezentralere Netzwerke, kleinerer und langsamerer Bewegungen und ganzheitlichen Denken geprägt. Eine Kultur basierend auf diesen “Qualitäten” wird durch die Wende angestrebt. Wie diese Kultur aussehen wird, für die Menschheit so wie für Institutionen, Politik und Wirtschaft, ist ungewiss und heißt es zu mitzugestalten.

Die Permakultur ist für mich also eine konsequente Annäherung an diese ökologischen Wirklichkeiten (des Rückläufigen, die jedoch nicht weniger natürlich und kreativ oder “progressiv” sind als jene des Wachstums!). Die entscheidende Frage ist es, wie wir diese Entwicklung nun würdevoll, gerecht und mit viel Freude gestalten können. Natürlich versammelt sich die Permakultur mit unzählig vielen anderen Bewegungen, Initiativen, Gemeinden und Organisationen zu dieser Mission! Zusammen, positiv und offen den Wandel mitgestalten, realistisch, konkret und fokussiert auf das Positive und Machbare: das ist Permakultur für mich. (Natürlich gibt es, wie bei allem, eine Vielzahl an Perspektiven, daher werden wir auch die kritischeren Seiten der Permakultur betrachten, aber nicht jetzt 🙂 Erstmal gilt es die Permakultur und ihre einzelnen Prinzipien und Methoden besser zu verstehen). Ich freue mich! Yay.

Ich und Mama’s Schatten

Mehr Wildkräuter: Knoblauchsrauke & Brennnessel. (Incl. Rezepte)

Knoblauchsrauke – Alliaria petiolata

Die Knoblauchsrauke ist schon voll im Gange. Sie ist in voller Blüte, teilweise schon mit Schoten (der Frucht). Zu finden ist sie an Waldrändern, Waldwegen und auf nährstoffreichen, lockeren Böden. Wir haben sie überall im Garten zwischen Brennnessel und Co. ! Eigentlich ist sie grade fast überall zu finden.

Die gute alte Knoblauchsrauke wie sie leibt und lebt

Auch die Knoblauchsrauke hat, neben anderen Mineralstoffen, reichlich Vitamin A und C. Sie wirkt ähnlich wie Knoblauch antibakteriell und keimtötend und soll sich zudem zur Behandlung von Asthma und Zahnfleischentzündungen eignen.

Knoblauchsrauke schmeckt wie der Name schon sagt nach Knoblauch. Sie ist eine schöne Alternative zum Bärlauch, da die Pflanze etwas milder im Geschmack ist. Da es sich hier, mehr oder weniger, “ausgebärlaucht” hat, gibt es nun also ein leckeres Rezept mit frischer Knoblauchsrauke für euch.

Erbsen-Hummus mit Knoblauchsrauke

Erbsen
olivenöl
tahin
zitronenspritzer
gehackte knoblauchsrauke
(Durch das hacken kommt das aroma raus)
salz
pfeffer

0. die mengenangaben überlass ich wieder eurem gespür, probiert was schmeckt

1. alle zutaten mixen, sodass eine herrlich cremige masse entsteht, abschmecken, evtl. nachjustieren, fertig ist der sommerliche hummus.

(Auch wahlweise mit frischer minze super lecker)

Brennnessel (Urtica dioica)

Die Brennnessel ist ‘n Hit – jeder kennt sie! Die Pflanze ist quasi überall. Sie verbreitet sich sehr schnell und wächst oft an Wegrändern, auf Schuttplätzen, an Zäunen und in Gärten. Sie ist nicht nur reich an Nährstoffen, sie soll dazu auch leicht harntreibend, blutreinigend, verdauungsfördernd und entzündungshemmend wirken. Der Brennnessel-Tee bei aufkommender Blasenentzündung oder anderen Harnwegsinfekten ist der Klassiker unter Wildkräuter-Kennern.

die brennende Nessel

Funfact: Brennnessel haben weit höhere Mengen an Mineralstoffen und Vitamine als viele Nahrungsmittel, die es in Läden zu kaufen gibt. Für die brennenden Blättchen müsst ihr dazu auch meist nur ein paar Meter aus der Haustür und braucht, anstatt Geld, nur ein Paar Handschuhe zum Pflücken mitnehmen. Neben ihrer nicht sehr schmeichelhaften Pieks- und Brenneigenschaft, bringt die Brennnessel viel Gutes mit Sich. Und zwar enthalten 100g Brennnessel: 4,1mg Eisen, 335mg Vitamin C und 715mg Kalzium.

Zum Vergleich: 100g Kuhmilch enthalten etwa 125mg Kalzium. Der als der Eisenlieferant gefeierte Spinat kommt mit seinen 3,8mg Eisen pro 100g auch nicht an die Brennnessel ran. Auch die meisten Obstsorten liegen mit ihrem Vitamin C Gehalt weit unter dem der Brennnessel. Orangen haben 53mg, Schwarze Johannisbeeren immerhin 177mg.

Deswegen: mehr Brennnesseln im Essen! Bei dem nächsten Nudel-Spinat Auflauf, beim nächsten Kartoffelpüree, beim nächsten Spiegelei, egal, ersetzt doch einfach mal den “normalen” Spinat mit ‘ner ordentlichen Portion Brennnessel. Oder kombiniert! Oder Suppe, oder Smoothie, oder, oder, oder! Roh sowie verarbeitet. Denn mal los! 🙂

Die Brennnessel brennfrei zu machen geht ganz einfach:

– Brennnesseln mit einem Nudelholz überwalzen
– Brennnesseln kurz in warmes Wasser legen und mit einem Tuch auswringen
– mit einem Messer über die Pflanzenteile streifen
– Brennnesseln mixen
der erste Wildkräuter-Salat aus dem Garten mit Ringelblumenblüten, 10 verschiedenen Wildkräutern und Salaten

Permakultur – mit kleinen Schritten zum großen Ziel

Mal wieder im Garten – hier grade am Sonnenblumen aussähen.

„Was machst du auf dem Hof?“ „Naja, ich lerne was über Selbstversorgung und Permakultur“. Eine leichte Antwort. „Warum machst du das und was ist’n Permakultur eigentlich genau?“ Eine Antwort darauf ist schon nicht mehr so einfach. Und kurz wird sie meistens auch nicht. Um beide Fragen gleichzeitig zu beantworten, sag’ ich meistens: „Puh, ja, weil Permakultur ein ganzheitlicher und realistischer Lösungsansatz für ein zukunftsfähiges Leben ist…und weil mich schon das Lesen über Permakultur glücklich gemacht hat.“ Artikel über Permakultur hören sich nämlich manchmal zu schön an um wahr zu sein. Aber, wer möchte nicht dabei sein, sich so eine Welt zu “erarbeiten”- oder wie die Permakultur sagt – zu gestalten?

Um eine ausführlichere Antwort auf diese Fragen zu geben, widmet sich dieser Artikel jetzt vollkommen der Permakultur und warum sie vielen Leuten denn als so wertvoll erscheint.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Permakultur kein festes Rezept für Nachhaltigkeit vorsieht. Es integriert eine Mehrzahl von Konzepten, Kenntnissen, Strategien, Werkzeugen, Techniken und Methoden, die die Welt umgestalten. Permakultur ist also vielmehr ein Werkzeugkoffer für einen transformativen Gestaltungsprozess. Ein toller bunter Koffer, den man in die Hand nimmt, um nicht nur ökologischen und gesellschaftlichen Problemen ausgerüstet entgegenzuwirken, sondern um zukunftsfähige Strukturen, Lebensweisen- und räume innerhalb der planetaren Grenzen zu gestalten und zu erhalten. Ursprünglich wurde Permakultur als Lösungsansatz für eine alternative nachhaltige Landwirtschaft erdacht, ganz nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme-als Pendant zur agrarindustriellen Moderne. Als Namen dafür setzten sie die Begriffe “permanent” und “agriculture” zusammen zu “permaculture“.

English - Ferme du Bec Hellouin
Die Gründer der Farm “Ferme du Bec Hellouin” sind Vorreiter und leidenschaftliche Praktizierende der permakulturellen Landwirtschaft. Die Farm besteht seit 2006 und wurde als hoch effizient und produktiv eingestuft. Wer mehr dazu lesen möchte: https://www.fermedubec.com/english/

Doch schon lange ist klar, dass eine lebenserhaltende Landwirtschaft allein für eine wirkliche Zukunftsfähigkeit nicht ausreicht, und so wurde und wird mit der Permakultur begeistert weiter gedacht. Permakultur Gestalter*innen aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern versuchen den ganzheitlichen Denkansatz auf ihre Bereiche anzuwenden. Also wurde aus “permanent agriculture” eher ein “permanent culture”, denn das Ziel ist nicht mehr nur eine nachhaltige Landwirtschaft zu gestalten, sondern langsam aber sicher eine komplett neue “Kultur”, bzw. neue Lebensweisen, hervorzurufen, die an die heutigen Bedingungen angepasst sind, und gleichberechtigt auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagieren. Die Permakultur stellt 7 Hauptbereiche auf, die es in unserer Gesellschaft zu transformieren gilt, um eine nachhaltige „Kultur“ aufzubauen:
 
1. Land und Natur “pflegnutzen” (ganzheitliche Weidewirtschaft, biol. und biodynamische Landwirtschaft, Waldgärten, Aquakulturen, Biogärten, Saatgut bewahren, etc..)
2. Gestaltete Umwelt (Wassersspeicherung & Wiederverwendung, natürliche Baumaterialien, passive Solarenergienutzung, Biotektur, Häuser selber bauen, etc…)
3. Werkzeuge und Technologien (Kleinwasserkraftwerk, Handwerkzeug, Lastenfahrräder, Wiederverwendung/Recyclen, etc…)
4. Kultur und Bildung (Aktives Lernen, Kunst & Musik zum Mitmachen, Landschaften u. Orte lesen, freie Schulen, soziale Ökologie, etc…)
5. Gesundheit und Spiri (Gesundsein durch Vorsorge, ganzheitliche Medizin, in Würde sterben, mehr Unterstützung & Akzeptanz für Hausgeburten/Stillen, Praktiken für Körper & Geist, etc…)
6. Finanzen und Wirtschaft (Fair gehandelte Produkte, solidarische Landwirtschaft, ethisch investieren, Tausch- und Teilökonomie, Energieverbrauch berechnen, etc….)
7. Gemeinschaft und Grundbesitz (sich wieder mehr verbinden mit der Gemeinschaft um sich herum, Nachbarschaftsfeste, Ökodörfer, Genossenschaften, Gemeinschaftsbesitz, Konfliktlösung, gewaltfreie Kommunikation, indigene Landrechte respektieren)

In einer “permanenten Kultur” betrachtet sich der Mensch als integraler Bestandteil eines geschlossenen Ökosystems, gliedert sich zusammen mit Pflanzen, Tieren, Böden und allen erneuerbaren Ressourcen in Kreisläufe ein. Sie machen deutlich, wie der Mensch heute mit der Natur anstatt gegen sie arbeitet und wie er – wenn er sich gut integriert – mit einem Minimum an Arbeit ein Maximum an Ertrag in Form von Nahrung, Energie usw. erzielen kann. Toll toll toll.

Permakultur ist ein Tanz mit der Natur – aber die Natur führt

Bill Mollison – Urvater der Permakultur (Australia)

Permakultur ist kein Dogma, hat keine festen Grenzen und hat das Ziel universell anwendbar zu sein. Es geht darum, eine Lösung zu finden, die sowohl global als auch lokal für jeden anwendbar ist und die jeweiligen geografischen, klimatischen und sozialen Bedingungen berücksichtigt. Zudem “dringt Permakultur bis ins Detail vor ohne dabei das gesamte Konzept in seiner komplexen Ganzheitlichkeit aus den Augen zu verlieren” (Permakultur, David Holmgren, 2016). Die ausgearbeiteten, praktischen Werkzeuge machen die Permakultur für die Umsetzung realistisch. Denn die Permakultur visualisiert eben nicht nur die Möglichkeiten von Heute und Morgen, sondern gibt einem auch das passende Werkzeug, diese Visionen zu gestalten, an die Hand.

Der zweite „Urvater“ der Permakultur, David Holmgren, schreibt in seinem zweiten Permakultur-Buch „Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen“, dass Permakultur schlichtweg eine Möglichkeit unter vielen ist, um eine Welt voller Ungewissheit besser zu verstehen, Sinn in ihr zu finden und darin wirksam zu werden“. Dies finde ich wichtig im Kopf zu behalten: Die Permakultur gesellt sich zu anderen Ansätzen, Lösungen und Bewegungen und kann den Wandel nur gemeinsam vorantreiben – nicht allein und losgelöst vom Rest. Das spiegeln auch zwei große Prinzipien der Permakultur wider: Vielfalt anstatt Einfalt & integriere anstatt zu separieren! Aber zu den Prinzipien bald mehr: Ich knüpf’ mir in den nächsten Wochen immer eins der 12 Prinzipien der Permakultur vor und beschreibe sie ausführlicher. Dadurch lernen wir die „Denkweise“ der Permakultur besser kennen und können die Komplexität sowie die universelle Anwendung besser (be)greifen. Die oben genannten praktischen Techniken sowie die 7 Hauptbereiche für Transformation werden auch weiter aufgeschlüsselt. In diesem Post scheint ja noch alles sehr weit gefasst und unkonkret zu klingen. Das soll sich in den nächsten Artikeln ändern.

Die vier ethischen Grundsätze der Permakultur, auf die die 12 Prinzipien, alle Methoden und Techniken basieren, stelle ich euch trotzdem noch schnell vor, da diese recht selbsterklärend sind.

1. SORGE FÜR DIE ERDE (earth care)

2. SORGE FÜR DIE MENSCHEN (people care)

3. BEGRENZE KONSUM UND WACHSTUM

4. TEILE ÜBERSCHÜSSE (fair share)

eine starke und klare wertebasis: die 4 Grundprinzipien, auf die alles basiert. die englischen wörter zeigen die originalbegriffe von mollison und holmgren)

Es fällt auf, im Gegensatz zu beispielsweise einigen Naturschutzbewegungen, dass in der Permakultur eben nicht (nur) die Natur im Mittelpunkt steht, sondern dass der Platz des Menschen genauso wichtig ist wie der der Natur. D.h. Natur und Mensch werden immer zusammen gedacht. Jeder der den Gedanken, dass der Mensch in die Natur „eingreift“ per se ablehnt, könnte der Permakultur daher erstmal kritisch entgegengestellt sein. Doch die Permakultur plädiert eben für ein bewusstes Umgehen, ein passendes Integrieren und ein harmonisches Zusammenspiel mit der Natur. Denn wir Menschen sind genauso Teil der Lebewesen dieser Erde wie die Tiere, Pflanzen, Böden… nur hat der Mensch das Gefühl dieser „Gleichstellung“ und dieser „Ganzheit“ in den letzten Jahrhunderten verstärkt verloren. Da dieses Ganzheitliche aber wichtig ist für ein gesundes „Ökosystem Erde“, spielen die Erde und die Menschen eine jeweils wichtige Rolle in der Permakultur. Ein grooviger, gemeinsamer Tanz fühlt sich doch auch schöner an als den dancefloor alleine zu bestreiten. (Wobei das eigentlich auch ziemlich spaßig ist…aber äh, sonst passt die Metapher nicht…)

Naja, macht es jut ihr Lieben und ich freu’ mich wie immer über Kommentare, Fragen oder Wünsche. Bis bald 🙂

Unsere Angler-Rinder und wir

Sauerteigbrot-Rezept

„Es sind nur noch drei Brote da.“ Oh-Oh. Nur noch drei Brote und keine neuen Brote in Arbeit- das bedeutet BROTNOTSTAND auf Hof Luna.

Die Hof Luna Brot-Rechnung: Wir sind grade circa 13 Leute hier, die mitessen. Brot wird zum Frühstück und Abendbrot gegessen. Und körperliche Arbeit macht hungrig- das heißt es wird viieell gegessen. Pro Mahlzeit gehen gut und gerne 2 Brote weg. Das heißt mit drei Broten kommen wir wahscheinlich nicht mal zwei Mahlzeiten weit.

Du siehst das Problem noch nicht?

Das Brot, was wir hier backen, ist ein Sauerteig-Brot. Und Sauerteig braucht, wie ihr euch vielleicht erinnert: Geduld, Zuwendung und Nahrung. Konkret heißt das, dass es ziemlich genau 24 Stunden braucht für ein gutes Sauerteig-Brot. Jetzt ist gerade Frühstückszeit – das Brot wird also vermutlich nicht mal für heute Abend reichen. Was machen wir nur? Die Rettung: Das Notbrot, mit Hefe gebacken.

Heute soll’s aber nicht um Hefebrote gehen, sondern um Sauerteig. Wie versprochen, schreib ich euch nun das Hof-Luna Sauerteigbrot-Rezept auf, runtergerechnet auf eine “normale” Haushalts-Brot-Nachfrage von einem Brot anstatt sechs. Ich hoffe, dass das runtergerechnete Rezept genau so gut gelingt wie für unsere Menge. Es gilt also für euch: beobachtet, probiert aus und reagiert flexibel auf euren Teig. Keine Panik, vielleicht wird das erste ein bisschen zu fest, groß, klein, herb, stressig, aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, wa’? Ich freu’ mich jedenfalls auf eure Erfahrungsberichte. So, und jetzt gehts los.

DU BENÖTIGST

FÜR Vorteig
90 g Sauerteig-Starter
220 g Mehl
200 ml lauwarmes Wasser

FÜR Hauptteig
Vorteig
330 ml lauwarmes Wasser
430 g Mehl
1 TL Salz
1/2 TL Gewürze (Koriander, Fenchel, Kümmel etc.)

Große Kastenform, Öl zum einfetten der Form

1. VORTEIG

Sauerteig-Brot wird in mehreren Etappen gebacken. In der ersten Phase wird der Vorteig erstellt- am besten abends, da er danach 12 Stunden gehen sollte.

Für den Vorteig nimmst du 90g von deinem Sauerteig-Starter und verrührst ihn mit 200ml lauwarmen Wasser in einer Schüssel. (Wie du einen Sauerteig-Starter herstellst, kannst du in meinem vorherigen Artikel Multitalent Sauerteig nachlesen). Sobald keine Klümpchen mehr da sind, gibst du das Mehl dazu (220g). Hier wird immer mit selbstgemahlenem Vollkornmehl gebacken (Weizen- und/oder Roggenmehl). Jedes Getreide hat etwas andere Eigenschaften, sowohl beim Geschmack und der Bekömmlichkeit als auch bei den Backeigenschaften. Probiere einfach aus, was für dich funktioniert. Alles gut verrühren. Die Konsistenz sollte schon eher fest- allerdings noch rührbar sein.

Vorteig

Decke die Schüssel mit einem Geschirrtuch ab und stelle sie an einen warmen Ort für etwa 12 Stunden. Jetzt bietet es sich natürlich noch an deinen Sauerteig-Starter aufzufrischen.

2. HAUPTTEIG

Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Jetzt wird der Hauptteig hergestellt. Der Vorteig sollte etwas an Volumen zugenommen haben. Den Vorteig mit etwa der Hälfte des Wassers verrühren (150ml) und dann nach und nach Mehl (430g) und den Rest des Wassers (180ml) hinzugeben. Natürlich kannst du auch gleich alles zusammenschütten – es hilft aber durchaus es nach und nach zu machen, um einen möglichst homogenen Teig zu erhalten. Dann noch das Salz und die Gewürze dazu geben. Die Gewürze dienen vor allem der besseren Bekömmlichkeit. Hier kannst du z.B. eine fertige Brotgewürzmischung nehmen oder einfach selber experimentieren. Gut geeignet sind beispielsweise Kümmel, Koriander oder Fenchel. Nun wird der Teig ordentlich durchgeknetet. Optimalerweise 20min.

Ja, ich weiß, das ist ziemlich lang. Ich habe da auch leicht reden. Wir haben hier so eine tolle Knetmaschine, die das für uns erledigt – sogar mit Zeitschaltuhr. Das Gute beim mit der Hand kneten ist allerdings, dass du gleich die Konsistenz prüfen kannst. Hier gilt: der Teig sollte so fest sein, dass er die Form beibehält; darf aber noch ein bisschen klebrig sein.

Der Blick in die Knetmaschine

Wenn du nach deinem Empfinden lang genug geknetet hast, decke die Schüssel wieder zu und stelle das Ganze für weitere mindestens 6 Stunden an einen warmen Ort. Hier ist die Zeitangabe relativ flexibel nach hinten raus. Schau einfach wie es in deinen Tagesablauf passt. Dem Brotteig macht es nichts etwas länger zu warten.


6h (+) später, nächster Schritt: Das Brot kommt in die Form. Dazu eine Kastenform mit Öl einfetten und eine Fläche mit Mehl bestäuben. Auch hier sollte der Teig wieder aufgegangen sein, also mehr Volumen haben.

der Hauptteig ist gut aufgegangen, die Fingerabdrücke müssen da nicht unbedingt rein 🙂

Den Teig aus der Schüssel auf deine, mit Mehl bestreute Arbeitsplatte, heben und einige Male falten (falten NICHT kneten). Wir haben hier ein extra Werkzeug dafür- es geht aber auch von Hand. Nimm am besten etwas Mehl in die Hand, damit der Teig vielleicht nicht ganz so stark hängen bleibt. Für das Falten klappst du den Teig zusammen, drehst ihn um 90° und faltest ihn wieder und so weiter. Wiederhole dies so 5-6 mal. Es kommt dabei sehr auf Schnelligkeit an, habe ich mir sagen lassen. Um so schneller du faltest, desto weniger klebt der Teig an der Unterlage oder deinen Händen fest. Versuche am Ende etwa die Maße deiner Brotbackform zu falten – und dann ab damit in die Kastenform. Wenn du magst, kannst du das Brot noch ein bisschen “nachformen” in der Form und ein Muster ins Brot drücken, wie den bekannten Strich in der Mitte oder ähnliches- auch hier kann man kreativ ausprobieren.

Unsere Arbeitsfläche
Fast geschafft, die Brote sind in der Form!

Nun muss das Brot noch mal eine Stunde gehen. Hier ist es wirklich wichtig, dass es nur eine Stunde ist und nicht länger! Für die erste halbe Stunde stelle das Brot in den Ofen, den du auf etwa 30°C stellst (falls das bei deinem Ofen möglich ist). Nach den 30 Minuten das Brot rausholen und den Ofen bei Ober – Unterhitze auf 250°C vorheizen (Unser Ofen braucht ca. eine halbe Stunde um auf 250°C zu kommen, falls dein Ofen schneller ist, kannst du auch später damit beginnen. Wichtig ist nur, dass nach EINER Stunde der Ofen auf 250°C ist). Das Brot für 25 min bei 250°C backen, dann die Temperatur runterstellen auf 180°C und weitere 30 min backen.

Da ist ja das Prachtstück

Nach 55 Minuten also den Ofen ausstellen, das Brot aus der Form holen und ohne Form wieder zurück in den noch warmen Ofen stellen. Dabei etwas in die Ofentür klemmen, damit sie einen Spalt geöffnet bleibt. Bei uns bleibt das Brot meist über die ganze Nacht zum Auskühlen noch im Ofen und wird dann erst am nächsten Tag in den Schrank geräumt. Unangeschnitten wird es in dem Schrank aufbewahrt, angeschnitten kommt es dann in unser Brotfach.

Rechts: die alten, links: die neuen

Dies ist quasi ein Grundrezept. Man kann noch zig Tipps und Tricks, wie z.B. eine knusprige Kruste durch Wasserbesprenkelung oder ein fluffigeres Brot (grade bei reinen Roggenbroten) durch Kochstückzugabe. Brotbacken, so erfahre ich hier am eigenen Leibe, ist eine (uiii ziemlich komplexe) Wissenschaft für sich. Jedes Getreide hat verschiedene Eigenschaften, Mehlqualität und Grad der Mahlfeinheit, Wasser und Salzmenge haben Einfluss auf das Brot, die Temperatur, die Mirkoorganismen in der Luft, die verstrichene Zeit, sogar der Mondstand, deine Laune (Geduld vs. Hektik), unberechnenbare Faktoren (wie Mitbewohner, die den Ofen ausschalten während du vorheizt)… All das kann beeinflussen wie unser Brot im Endeffekt wird. So bleibt uns im Endeffekt nur ausprobierenbeobachtenund anpassen. YAY.

Ich hoffe es ist alles einigermaßen verständlich beschrieben. Falls ihr noch Fragen habt oder vielleicht einen hilfreichen Kommentar für andere Backexperimentirende habt, schreibt gerne einen Kommentar unten drunter.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

MULTITALENT SAUERTEIG

Liebe Leute,

Frohe Ostern! Die Feiertage liegen vor uns. Die Kontaktsperre läuft immer noch und die Supermärkte kommen mit der Lieferung von Hefe nicht mehr hinterher. Ha, das sind doch die perfekten Bedingungen, um das Backen von Sauerteig-Broten mal auszuprobieren! Dieser Eintrag erklärt, was das Besondere eines Sauerteiges ist und wie man den sogenannten Sauerteig-Starter zubereitet, mit dem das Backen dann losgehen kann! Nächste Woche gibt es dann ein passendes Rezept dazu.

Unser Ziel ist es also ein leckeres, selbstgemachtes Brot zu backen und dies können wir generell direkt oder indirekt erreichen. Ein direkter Teig bedeutet, dass er in einem Arbeitsschritt hergestellt wird. Alle Zutaten werden also in einem Arbeitsschritt miteinander gemischt und geknetet. Dies spart Zeit, was toll ist, weil man das Backen meist besser in den Alltag integrieren kann. Für direkte Teige wird meist Hefe verwendet.

Wenn ihr jedoch etwas mehr Zeit habt und auf Hefe verzichten wollt oder keine mehr habt, könnt ihr euch an den indirekten Teig wagen: Ein Teig, der über sogenannte Vorstufen erfolgt, der also aus mehreren, zeitlich von einander getrennten Arbeitsschritten hergestellt wird. Eine Berühmtheit und altbewehrte Tradition unter den indirekten Teigen ist der Sauerteig. Er soll neben positiven Einflüssen auf die Teigbeschaffenheit, die Backfähigkeit, das Brotvolumen, die Krusten- und Krumeneigenschaften, die Frischehaltung, die Bekömmlichkeit auch ganz wesentlich das Brotaroma verbessern. Da dies natürlich ganz von unseren Vorlieben und Gewohnheiten abhängt, ist es quatsch pauschal zu sagen, dass Sauerteig-Brote deswegen leckerer sind als die guten direkten Hefebrote, oder so. Es ist allerdings wahr, dass sich, vor allem bei roggendominierten Broten, durch die Versäuerung in Kombination mit dem Gärungsalkohol zahlreiche Aromastoffen bilden, und der Teig dadurch geschmacklich weiter entwickelt ist. Das Spektrum reicht von urig-kräftig über säuerlich-herb bis hin zu mildsäuerlich und fruchtig. Fantastisches Brot für ‘ne ordentliche Stulle!

Nochmal zur Erinnerung: hier die leckeren Sauerteig-Brote á la Hannah 😉

So, was ist denn der erste Schritt?

Als Vorstufe stellt ihr erstmal den Sauerteig-Ansatz her, der als Starter für die Brote verwendet wird und als Hefeersatz dient. Die erste Herstellung eines eigenen Sauerteig-Ansatzes ist (relativ) einfach, dauert aber bis zu einer Woche. Ist er dann jedoch einmal vorhanden, könnt ihr ihn ohne großen Aufwand über Jahre pflegen und in seiner Leistung und Stabilität stärken. So steht der Sauerteig-Ansatz für eure folgenden Brote dann direkt bereit und ihr könnt die Starter-Herstellung-Vorstufe schonmal weglassen. Der Ansatz, wie ich hier gelernt hab, ist für viele heilig! So auch für zwei Mitbewohner hier. Sie vereisen sogar mit ihrem Sauerteig-Ansatz, um auch im Urlaub immer eigene Brote backen zu können. Sie tauschen mit anderen Freunden oder Fremden Teile der Ansätze um die Teige lebendig zu halten, oder ihn einfach mal abzuwandeln. Laut Erzählungen, sind in Italien, wo ja oft auch Pizza und Pasta aus Sauerteig hergestellt wird, Sauerteig-Ansätze teilweise schon Hunderte von Jahren in Besitz einer Familie, Mammmmma mía!

Der erste Sauerteig (der Starter) sollte mit Vollkornmehlen (Roggen, Weizen, Dinkel) angesetzt werden, da sich vor allem an den Schalen des Getreidekorns die Bakterien und Pilze befinden, die für die Gärung und Säuerung nötig sind. Wenn die Herstellung geglückt ist, kann der Sauerteig danach jedoch auch mit weniger gemahlenen Mehlen (Typ 1150 oder 1050) aktiv gehalten werden.

Das benötigt ihr für die Herstellung von eurem Sauerteig-Ansatz
-ca. 250 g Vollkornmehl
– ca. 250 g Wasser
– Abwiegemöglichkeit (Messbecher oder Waage)
– 1 große Schüssel
– 1 Schneebesen

Spült vor der Verwendung Schüssel und Schneebesen mit kochendem Wasser ab. Trocknet die Sachen nicht mit einem Tuch (Gefahr von Fremdkeimen), sondern lasst sie einfach luFttrocknen

Abfolge der Herstellung des Sauerteig-Starters/ “Züchtung” des Sauerteigs
1. Ca. 50 g Vollkornmehl und 50 g lauwarmes Wasser (35 – 40 Grad) zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Die Teigmenge wird im Laufe der Tage um das Vier- bis Fünffache wachsen, deswegen: die große Schüssel!

2. Den Teig bei ca. 30 Grad 24 Stunden luftdicht abgedeckt ruhen lassen. Nach 12 Stunden mit einem Schneebesen Luft einschlagen und wieder abdecken. Der Gasaustausch regt die Mikroorganismen zum Stoffwechsel an.
TIPP: Eine Temperatur von 30 Grad könnt ihr u.A. erreichen, indem ihr die Schüssel in den den Backofen oder Mikrowelle stellt und die Beleuchtung anschaltet. Die Wärmebestrahlung der Lampe führt nach einiger Zeit zur gewünschten Temperatur. Achtung: die Tür jedoch einen Spalt geöffnet lassen, damit es nicht ZU warm wird.

3. Über 3 bis 5 Tage werden jeweils nach 24 Stunden erneut 50 g Wasser und 50 g Vollkornmehl untergemischt. Alle 12 Stunden sollte kurz Luft in den Teig geschlagen werden.
Achtung: Wenn der Teig sich zum Vorteig bereits in deutlich kürzerer Zeit als in 24 Stunden im Volumen verdoppelt hat oder eventuell schon eingefallen ist, dann mischt 50 g Mehl und 50 g Wasser mit nur noch 50 g des Ansatzes und lasst das Gemisch nochmal 12 Stunden warm reifen. Damit verkürzt ihr also die Fütterungsphasen.

Der Teig sollte nach einigen Tagen Blasen bilden, aufgehen, säuerlich, teils unangenehm, später aber aromatisch riechen. Ein gelungener Sauerteig hat (je nach Mehltyp) eine helle gelbgräuliche bis hellbräunlich-beige Farbe.

4. Nehmt dann vom fertigen Sauerteig ca. 100 g ab. Den Rest (300-400g) könnt ihr entweder haltbar machen, verschenken, entsorgen oder auch bereits ein Brot backen (Dazu nehmt die in einem Rezept angegebene Sauerteigmenge ab und mischt sie entsprechend in den Brotteig. Jedoch ist eine kleine Menge Hefe hier ratsam, denn der Sauerteig könnte noch nicht die ausreichender Triebkraft haben).

Voilá, erste Stufe erreicht! Die 100g Sauerteig könnt ihr nämlich nun zum Auffrischen und Ansetzen eines neuen Sauerteiges nutzen.

Zum Auffrischen: Mit zunehmendem Lagerungsalter wird der Teig weniger triebstark und bildet weniger Säuren. Ratsam ist es deswegen, den Sauerteig in den ersten zwei Wochen in kürzeren Intervallen von 1-3 Tagen regelmäßig mit Mehl und Wasser aufzufrischen, um den Sauerteig und seine Mikroorganismen zu stabilisieren und kräftigen.

„How to Auffrisch“:

Schritt 1: Mischt und verrührt in einem sauberen Behälter (ideal ist ein verschließbares Glas, s.u. ) eine definierte Menge Mehl mit Wasser und Sauerteig aus dem Kühlschrank. Da eine gewisse kritische Masse an Mikroorganismen vorhanden sein muss, um einen Sauerteig stabil und aktiv zu halten, solltet ihr mindestens mit je 50 g Wasser und Mehl arbeiten. Ein typisches Mischverhältnis wäre: 50 g Roggenmehl 1150 (oder Weizen-/Dinkelmehl 1150) mit 50 g Wasser und 10 g Sauerteig

Schritt 1 der Sauerteigauffrischung: Mehl, Wasser und Sauerteig mischen

Schritt 2: das Gemisch abgedeckt 10-14 Stunden bei Raumtemperatur (20-22 Grad) oder 6-8 Stunden bei 26-28 Grad reifen lassen. Danach (max. 7-14 Tage) abgedeckt im Kühlschrank lagern bis zur nächsten Auffrischung.

Schritt 2 der Sauerteigauffrischung: reifer Sauerteig

Nach diesem Schritt hätte der Sauerteig die ideale Säuerung und Gärung zum Ansetzen eines neuen Sauerteigs zum Brotbacken. Das Rezept von unseren leckeren Broten lade ich nächste Woche hoch.

Ich hoffe, dass ich alles recht verständlich beschrieben habe. Man kann dazu natürlich auch zig verschiedene Seiten im Internet finden. Falls ihr noch Fragen habt, Anmerkungen oder Tipps, schreibt sie gern in die Kommentare. Sauerteige verlangen einem etwas Geduld und ein Gespür für den Säuerungsprozess ab. Je länger man mit einem Sauerteig unter einem Dach wohnt, desto einfacher kann man die Konsistenz, Zeit und den Geruch einschätzen. Ein frisches, leckeres Sauerteigbrot mit gesalzener Butter und Honig scheint mir diesen Zeitaufwand jedenfalls wert zu sein. Ich schaff es jedenfalls nicht mehr ohne Sauerteig-Backen…Denn bei Nichteinhaltung meiner Backschichten ich großer Empörung ausgesetzt wäre, wenn kein Brot mehr auf dem Tisch stünde, haha. Der Brotverschleiß auf dem Hof liegt hier so bei 18 Brote in der Woche. Das heißt konkret für mich: Jede Woche 6 Brote backen! Am Ende kann ich die Schritte wahrscheinlich mit Augen zu, yeah! Aber zum Brotbacken kommen wir dann nächste Woche. In diesem Sinne nochmal, frohe Ostern und frohes Züchten!

TIPP für Faulpelze oder vielbeschäftigte Leute: Schneller geht das Ganze natürlich auch mit dem Kauf einer Starterkultur aus dem Biomarkt oder dem Reformhaus. Auch Bäcker geben auf Nachfrage manchmal etwas von ihrem Sauerteig ab. Der Reiz eines spontan gegärten, vollständig selbst gezogenen Sauerteiges bleibt dann jedoch verwehrt.

In der Backstube, alles unter Kontrolle…ähh…

Bärlauch: Funfacts & Rezept

Eine Pflanze, die du jetzt schon entdecken kannst, ist der Bärlauch (Allium ursinum). Der Bärlauch mag es gerne feucht und schattig, weswegen er viel im Wald zu finden ist. Wo Bärlauch wächst, ist der Boden fruchtbar und feucht (Anzeigerpflanze).

Charakteristisch für den Bärlauch ist der würzige Duft nach Knoblauch. So lässt sich der Bärlauch auch zweifelsfrei von allen ähnlichaussehenden Pflanzen unterscheiden. Einfach etwas an den Blättern reiben und dann daran schnuppern. Um ganz sicher zu gehen, kann das Blatt auch etwas angerissen werden. Wenn es dann nicht nach Knoblauch riecht, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine andere Pflanze. Auf dem Bild ist das aktuelle Stadium des Bärlauchs zu sehen. Noch ohne Blüte, aber schon grün und saftig.

Da Bärlauch meist in Massen vorkommt, lässt er sich gut sammeln. Die Verwendungsmöglichkeiten sind zahlreich. Die Blätter können für Kräuterbutter oder -quark, als Brotbelag oder zum würzen in der Gemüsepfanne verwendet werden. Sehr lecker ist auch ein selbstgemachtes Bärlauch-Pesto. Hier ein kleiner Zubereitungsungsvorschlag:

Rezept: Bärlauch-Pesto

Deinen selbstgesammelten Bärlauch grob klein hacken.

Sonnenblumenkerne ohne Öl in einer Pfanne anrösten und die Kerne dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

Gehackten Bärlauch mit ausreichend Olivenöl pürieren. Dabei etwas Geduld mitbringen und das Gemisch zwischendurch umrühren. Denk dran, es soll ein Pesto werden, also ruhig noch einen Schuss Öl dazu. So ergibt sich eine schöne, homogene Masse.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die gerösteten Sonnenblumenkerne dazugeben und ebenfalls etwas mit pürieren.

Als geniale Variation können auch noch Rosinen mitpüriert werden, was das Ganze etwas milder macht und dem Ganzen eine süßliche Note gibt! Wenn du noch Käse, so wie Parmesan oder Schafskäse dazugeben möchtest, ein anderes Öl benutzten willst oder dich weitere Abwandelungen neugierig machen, mache einfach deine eigene Kreation daraus :-)!

Viel Spaß und guten Appentit.

Auch die Blüten und Samen lassen sich vielseitig verwenden. Die reifen Samen können beispielsweise getrocknet wie Pfeffer verwendet werden. Die kleinen Körner einfach in die Pfeffermühle geben oder mit dem Mörser zermahlen. Und et voilà haben wir ein neues, heimisches Gewürz.

Dem Bärlauch werden natürlich auch einige Heilwirkungen zugeschrieben. Das Lauchgewächs wirkt, ebenso wie Knoblauch, antibakteriell. Das Kraut hilft bei Magen-, Darmstörungen, senkt den Blutdruck und Cholesterinspiegel und ist allgemein blutreinigend, harntreibend, entzündungshemmend, schleimlösend und stoffwechselanregend. Also genau das richtige um den Körper nach dem Winter wieder in Schwung zu bringen, alte Schlacken und Ablagerungen zu lösen und aus dem Körper zu bringen. Oder mit Ayurveda-Termini ausgedrückt: Bärlauch reduziert Kapha und (in Maßen eingenommen) Vata und erhöht Pitta.

Es wird erzählt, dass der Name Bär-Lauch daher kommt, dass die Bären nach dem Winterschlaf als erstes Bärlauch essen, um sich nach dem langen Schlaf zu stärken und die Lebensgeister zu wecken. Eine andere Erzählung besagt, dass früher Pflanzen, die sehr kräftig und heilwirksam sind, mit dem Namen des Bären bedacht wurden, da dieser als starkes Tier besonders verehrt wurde. Andere Pflanzen sind beispielsweise Bärenklau, Bärlapp oder Bärwurz.

Also, ergreife die Chance und versorge dich mit regionalem, saisonalem und (höchstwahrscheinlich oder hoffentlich) biologischem Superfood. Beim nächsten Spaziergang (die sind ja noch erlaubt) einfach mal die Augen offen halten- und die Nase.

Bärlauch-Bett vom Feinsten

Foto Credits gehen an Mirja von: https://wirerdenkinder.family.blog und Julius Wenzel 😉

Ackern was das Zeug hält!

Grüß Gott

Liebe Leute,

nach etwas längerer Zeit, melde ich mich wieder aus Everode. Verzeiht mir mein schläfriges Internet-Da sein, mein Laptop ist mir kaputt gegangen, und jetzt hau ich auf einem geliehenen Computer in die Tasten! Hier sind die letzten zwei Wochen ganz schön schnell vergangen. Gleichzeit kommt es mir vor, als wäre ich schon mehrere Monate hier. Weil SO VIEL passiert, jeden Tag auf’s Neue. Ich fasse kurz die Highlights der letzten 14 Tage zusammen, und werde euch dann hoffentlich mit einem leckeren, einfachen Bärlauch Rezept erfreuen.

Die letzten zwei Wochen waren super lehrreich, sonnig, warm, dreckig, lustig und musikalisch! Es wurde geackert, was das Zeug hält, denn in unseren Permakultur-Gärten geht’s an die Bodenvorbereitung. Der Boden der verschiedenen Beete wird aufbereitet. Auf die fertigen Böden wird eine Ladung Mulch oder Grünsaat gestreut. Dies wird hauptsächlich für die Bodenlockerung und den Bodenschutz gemacht, bevor wir dann die „richtigen“ Einsaaten im April/Mai machen. Denn viele neu gesähten Pflanzen würden den Frost, der gerne auch nochmal in Mainächten auftaucht, wahrscheinlich nicht überstehen. Die mehrjährigen Saaten, die auch noch in den Beeten liegen, müssen außerdem gecheckt, gepflegt und gemulcht werden. Gartenwerkzeug wird repariert, Komposte neu angesetzt und alte weiter angerichtet, das Gewächshaus vorgestellt, und Keimteste und Anzucht gestartet. Und wir haben weiter an unseren eigenen Gartenstücken geplant und designt! Einen ersten Entwurf meiner 80 Quadratmeter werde ich euch bald vorstellen: Er wird grandiooooos!

Komposte und Arbeits-Equipment am Rande des Permakultur Gartens
Ich bei der Bodenvorbereitung im Sonnenschein

Eine letzte Winter-Frühjahr-Ernte gab es auch noch. Wir konnten, wegen der sehr gemäßigten Wintertemperaturen, noch Weiß-, Grün- sowie Rosenkohle, rote, weiße und gelbe Beete, Pastinaken, Lauchzwiebeln und Lauch, verschiedene Salate und ich hab bestimmt noch was vergessen, ernten! Jetzt wissen wir jedenfalls, was es die nächsten Tage erst Mal zu Essen gibt – auch wenn vieles davon schon zu Sauerkraut, Aufstrichen und Saucen eingemacht oder weiterverarbeitet wurde: Küchenpartys mit Wasch-, Schneide- und Verpackungsstationen sind hier keine Seltenheit. Da hüpft mal nicht nur klein Fela („unser“ einjähriges, süßes Hof-Baby) ganz aufgeregt in der Küche herum…

Im Garten- und Küchenbereich ist auf jeden Fall immer was zu tun! Jede Woche wird frischer Joghurt, Quark und Frischkäse von der Milch unserer „Angler“ Rinder zubereitet und jeden zweiten Tag backt einer von uns in unseren „Back-Schichten“ sechs köstliche Sauerteig-Brote aus selbst angebauten und gemahlenen Roggen und Weizen. Hier sind meine ersten 6, tada!

Sauerteig-Brote à la Hannah

Ein großes Highlight war der Besuch von Mama und Julia, die natürlich ganz fachmännisch mit angepackt haben. Resultat des Besuchs: Julia fängt im Juni auch auf dem Hof an (JIPPIE!) und Mama hat – zurück Zuhause – ihren ersten Sauerteig-Starter angesetzt und zack, zack, ein Sauerteigbrot, inspired by Hof Luna, aus dem Ärmel geschüttelt! Das komplette Rezept incl. Sauerteig-Starter werde ich auch bald posten, dann können es vielleicht noch mehr von euch Zuhause ausprobieren! (Oder vielleicht habt ihr euer eigenes Sauerteig-Rezept, was ihr teilen wollt!)

Ab Juni mit Juli

Jeden dritten Freitag findet hier ein Regionalmenü statt, zubereitet von Küchenexpertin und Hof-Freundin Martina. Das Menü erstreckt sich über 5 Gänge der edelsten deutschen Küche. Für viele ein Highlight. Für mich ein Tag, an dem ich ein klar und deutliches „Nein danke, ich möchte nicht“ üben sollte. DENN ES GAB GESCHÄLTE RINDERZUNGE! Da ich mich unwissend freiwillig dazu bereit erklärt hatte, an diesem Tag bei den Vorbereitungen zu helfen, wurde mir in kürzester Zeit ein zartes Zungenstückchen, aufgespießt auf einer Gabel, hingehalten. Die Zunge wurde von der Köchin wirklich SO stolz serviert und zelebriert, dass ich EINFACH NICHT NEIN sagen konnte. Nach sechs Jahren Vegetarier-Da sein und einem kurzen Gestotter von: “Ja also eigentlich esse ich ja gar kein Fleisch aber mmmh, danke”, rein damit….eine dicke, fette, geschälte Kuh-Zunge in meinem Mund….selbst Schuld aber agggghhhhrrr…..

Kommen wir aber wieder zu erfreulichen Leckereien. Ein großes Highlight zu dieser Jahreszeit sind die vielen Bärlauch-Felder im Wald nebenan! Aufgrund des frühen Frühlingsanfangs sprießen sie hier schon aus der Erde, und sind ja vielleicht auch schon bei euch draußen! Hier geht mindestens 1x täglich jemand Bärlauch pflücken, es riechen langsam alle bärlauchig gleich und Hof Luna wird zu einem Bärlauch-Bunker! Bärlauch ist lecker und rundrum gesund, deshalb findet ihr hier in meinem anderen Post auch ein köstliches, einfaches Rezept und ein paar lesenswerte Fakten dazu! In diesem Sinne, bis die Tage und bleibt gesund!

Nach dem Bärlauch pflücken im Wald nebenan

Eine Woche Hof-Leben: der Wochenrückblick & die Jahresvorschau

Achtung Achtung, der erste Eintrag ist etwas lang geworden. Die folgenden werden kürzer, versprochen!

Allzeitbereit – hier im Arbeitskeller auf Hof Luna

Angekommen! Aus der großen weiten Welt in das klitzekleine Dörfchen Everode! Ich kann nicht behaupten ganz ohne Kulturschock davon gekommen zu sein. Ich bin tatsächlich auf einem waschechten Bauernhof mit hektarweiten Weiden, grüner Hügellandschaft und ansonsten Walachei um uns herum! Noch vor der ersten STOCKdunklen Nacht gab es ein ganz herzliches Willkommen von dem wahrscheinlich einzigen aus dem Winterschlaf erwachten RIESENkäfer Niedersachsens, der es sich auf meinem Kopfkissen bequem gemacht hatte. Hier waren also Ich, der Käfer, und ein ganzes bevorstehendes Jahr auf dem Land, na gudde Nacht!
Na klar, genau das hatte ich mir doch ein paar Wochen zuvor schon beim Kennenlern-Wochenende angeschaut und auf genau das hatte ich mich doch so gefreut. Aber, was hatt’ ich mir nur dabei gedacht?

Die erste ländliche Schockstarre war aber schon nach dem ersten gemeinsamen Willkommens-Frühstück verflogen. Wir sind ein bunter Haufen von insgesamt 14 Hofbewohnern, darunter drei Mädels, die wie ich, das „Permakultur Orientierungsjahr” machen. Dazu kommen drei Betreuer des “Lernorts Hof Luna”, die für uns als Mentoren da sind und die Kontakte zu Unis, Schulen, und vielen anderen Körperschaften halten, und eben noch die Landwirt*innen und Partner*innen. Ab und an gesellen sich aber noch Praktikanten, Studenten oder freiwillige Helfer in unsere Mitte, so dass wir auch schon mit rund 20 Fleißigen beim Mittagessen sitzen. Die Stimmung ist seeeehr einladend, warm und offen. Voller Tatendrang und lustig sind sie auch noch, was willste mehr? Da ist der Kopfkissenkäfer doch schon wieder vergessen! Ich freue mich sehr die nächsten Monate mit diesen Menschen zusammen zu sein und nach einer Woche fühlt es sich auch schon ein bisschen wie Zuhause an. Mein Zimmer ist warm und gemütlich und die anderen Räumlichkeiten sind schön holzig, mit kuscheligem Kamin und schöner Bücherregal Leseecke. Es knarrt überall und riecht nach einem Mix aus Feuerrauch, frischgebackenem Brot und Kuhscheiße – hmm… das ist zwar neu, aber doch sogar auch irgendwie angenehm.

Im Innenhof steht ein großer schöner Magnolia Baum, unter dem im Sommer gegessen wird. Außerdem gibt es einen halb essbarer Garten mit kleinem Gewächshaus, eine Holz-Werkstatt und einen Stall für die großen und kleinen Schweinchen sowie die Minikälbchen. Ah ja, hier findet ihr auch den Eingang zu unserem bezaubernden Demeter Hof-Laden mit leckerem Hof Luna Apfelsaft, cremigem Honig, Kartoffeln und Karröttchen, frischem Fleisch und Käse und vielem mehr. Und dann gibt es natürlich noch den großen WUNDERSCHÖN gestalteten Permakultur-Garten mit Gemüse, Obst, Kräutern, und essbaren Blumen! Ein Traum für Selbstversorger & Co. Er besteht aus verschiedenen Hochbeeten, Spiral- und Schlüssellochgärten. Mehr dazu werde ich in den nächsten Wochen lernen. Ich freue mich schon auf die wärmeren Monate, wenn es in Hülle und Fülle gedeiht, blüht und fruchtet. Zusätzlich haben wir für unser „Permakultur Orientierungsjahr” jeder eine je 80m² große unbefleckte Gartenfläche bekommen, die wir ab nun selbst gestalten, besähen, pflegen und abernten werden.

Wir sind schon alle fleißig am Bücher durchforsten nach grandiosen Design-Ideen, den leckersten Nasch-Sträuchern und Gemüsesorten, den besten Heilkräutern, den schönsten Blumen und den witzigsten kleinen Details, die unsere Gärten am Ende einzigartig machen!

Bei der Bodenbearbeitung in meinem 80m² Garten

Im Gegensatz zu den anderen beiden Mädels, die schon ein kleines Biologie und Gartenbau-Studium intus haben, habe ich mein geballtes Unwissen gleich bei der Ankunft kund getan: Als mir die kleine Hoffamilie entgegen kam, kaute Baby Felicitas vergnügt auf einem knallroten Apfel. Schlaumeier Hannah fragte zugleich: „Ahh, habt ihr den Apfel frisch vom Baum gepflückt?” So habe ich meine Seriosität gleich an den Nagel gehängt und alle haben sich kaputtgelacht. NATÜRLICH wissen wir alle, Apfel-Ernte ist im Herbst!! Auf Hof Luna haben wir einen Haufen Äpfel im Keller gelagert, so können wir uns das ganze Jahr bedienen. So ging die Woche lustig und enttarnt los!


Womit ich diese Woche sonst noch konfrontiert wurde, liste ich im Folgenden mal auf. So habt ihr auch schon einen kleinen Überblick, womit es in den nächsten Wochen detailliert weitergeht:

1. Thema: Hauswirtschaft & Selbstversorgung
Die erste Woche hat einen Vorgeschmack gegeben auf das, was da noch kommen mag: Regionale Lebensmittel und Kräuter erstmal kennenlernen, dann kochen, fermentieren, haltbarmachen und zubereiten. Dazu gehören Milchprodukte, wie Joghurt, Kefir, Quark, Frischkäse und Aufstriche, lebender Sauerteig für Brot & Pizza, Kuchen & Co., Essige, und sogar Kosmetik und Putzmittel. Auch Energiegewinnung, Textil- und Werkzeugreparaturen und Möbelbau wird hier zum Thema. Eben alles was es so braucht, um ressourcenschonend und eigenverantwortlich zu leben. Kurz: Ich werde hier zur grandiosen Hausfrau und sicheren Quarantäne-Patientin, die auch ohne Hamsterkäufe klarkommt!

Neben praktischen Versuchen gab es auch theoretische Themenrunden zur Selbstversorgung und was es bedeutet, diese in Gemeinschaft durchzuziehen. Verändert die Selbstversorgung unsere Wertschätzung für das, was wir essen? Wie verändert sich das (Zusammen)leben, wenn man sich als kleinere Gemeinschaft selbst- oder teilversorgt? Ist es überhaupt sinnvoll/notwendig/großflächig denkbar und nachhaltig, sich komplett selbst zu versorgen? Wir hatten spannende Gespräche dazu und haben verschiedene Stufen des Grades- bzw. der Radikalität der Selbstversorgung durchgesprochen. Was ich gut finde ist, dass Hof Luna nicht versucht, sich radikal von dem Rest der Welt abzukoppeln und sich 100% selbst zu versorgen. Mehr zu den Hintergründen aber wann anders.


2. Thema: Gemeinschaft und was das eigentlich bedeutet
Da wir hier auf recht engem Raum zusammenleben, ist das Thema Gemeinschaft und der Umgang mit ihr thematisiert worden. Nein, Hof Luna ist keine Hippie Kommune, sondern einfach Leute, die ökologisch und -wie sie es nennen- „artgerecht” für Mensch, Tier und Natur leben wollen. Gemeinschaftliche Projekte und Konstrukte bedeuten natürlich immer mehr Diversität, mehr Organisationsaufwand, potentielle Meinungsverschiedenheiten und Kompromissfindungen. So haben wir über die Erfahrungen und Herausforderungen von Gemeinschaft auf Hof Luna gesprochen und uns folgende Fragen gestellt: Wieso ist Gemeinschaft so schwer? Wieso funktioniert es nicht immer? Warum kann es trotzdem so schön und bereichernd sein? Wie gestaltet man das Zusammenleben so demokratisch und schön wie möglich für jeden Einzelnen? Wie funktioniert gewaltfreie (also vorurteilslose, offene, einladende, eigene und anderer Grenzen einhaltende) Kommunikation? Und wie stärkt man Beziehungen zwischen verschiedenen Menschen unterschiedlicher Interessensgruppen? Was gibt es da für “Werkzeuge”?

Die Fragestellungen sind nicht nur für Hof Luna, sondern auch auf der Meta-Ebene spannend, wenn es um unsere Gesellschaft geht. Mein Fazit lautet: Da Demokratie schnell mal schwächeln kann, ist es doch umso wichtiger, die unschlagbaren Vorteile von ihr zu erkennen und sie mit voller Überzeugung zu leben, egal wie schwer die Herausforderungen manchmal sind. Innerhalb des nächsten Jahres übe ich Gemeinschaftsleben also im Kleinformat und bin gespannt ob ich danach immer noch Lust auf Demokratie hab, hehe.


3. Thema: Achtsamkeit

Ich zertrample kleine süße sprießende Setzlinge, weil ich nicht sehe, dass dort was wächst. Ich verschlinge mein Mittagessen, ohne wirklich darüber nachzudenken, wie es auf meinem Teller gelandet ist. Ich höre Namen und vergesse eine Sekunde später wieder, wie der nette Herr dort drüben doch hieß. Ich weiß oft morgen schon nicht mehr, was ich gestern gemacht und gelernt hab. Ich fahre mit Julius über die spanische Autobahn und mir wird nach einer Minute langweilig und habe Hunger, während er fasziniert die Landschaft beobachtet, wahrnimmt und sich vor Freude und Begeisterung nicht mehr einkriegt. Ich gebe ja nur ungern zu, dass Julius etwas besser kann als ich, aber: schidde, ich bin wohl eine richtige Niete im achtsam-sein!

Achtsamkeit ist eine der Schlüsselkompetenzen für einen nachhaltigen und bewussten Lebensstil und wird auch auf Hof Luna großgeschrieben! Deswegen bekamen wir direkt am zweiten Tag eine Aufgabe um genau dies zu üben: Umherwandern, beobachten und hinterher skizzieren, was man gesehen hat. Banale Übung würde ich meinen, aber es soll helfen sich langsam, aber sicher daran zu gewöhnen, eben wirklich WAHRZUNEHMEN. Ohne die Übung hätte ich wahrscheinlich so einiges nicht entdeckt oder gesehen und wäre gedankenverloren durch den Wald und über die Straßen geschlendert. Warum die Beobachtung so wichtig ist, und Achtsamkeit nicht wegzudenken ist wenn es um Permakultur geht, kann man sich vielleicht schon denken, aber wird auf jeden Fall auch noch weiter erklärt in den nächsten Einträgen. Ein paar Achtsamkeitsübungen findet ihr demnächst auch auf diesem tollen tollen Blog ;-)!

In zwei Wochen findet der Einführungskurs in die Permakultur statt: 14 intensive Tage Permakultur, an zwei Lernorten, in einer Gruppe von 17 Leuten. Er soll das Fundament für dieses Jahr legen. Danach geht’s richtig ab!

Ich freu mich immer mehr darauf und kann es kaum erwarten in die zweite Woche zu starten! Einen entspannten Sonntag an alle und bis denne, Hannah 🙂

Hallo und Hereinspaziert!

Liebe Familie, liebe Freunde und Bekannte,

willkommen auf meinem Blog! Wohooo!

Hier werde ich die nächsten Monate von meinen Erfahrungen auf dem Demeter-zertifizierten, und vom Bundeslandwirtschaftsministerium für innovative, nachhaltige, gesamtbetriebliche Konzeptionen ausgezeichneten, Hof Luna berichten. Dort nehme ich an einem einjährigen Lernprogramm teil, das sich an alle richtet, die an einer nachhaltigen Lebensweise und der ganzheitlichen Anwendung der Permakultur interessiert sind.

Blogs sind toll, um Erlebtes und Gelerntes zu teilen. Die Idee, dass ihr mitlesen und mitfiebern könnt – und man so eine scheinbar eigene Mission zu einem Gemeinschaftsprojekt macht – finde ich grandios! So nehme ich euch hier mit auf meine einjährige Nachhaltigkeit-Erkundungstour in dem wahrscheinlich am schlechtesten angebundenen Ort Niedersachsens: Everode. Mit Bahn & Bus 4 Stunden von Münster, mit der Maus nur einen Klick entfernt, toll toll toll.

Zunächst erscheint Everode als einsame Bauernregion Niedersachsens vielleicht nicht grade vielversprechend. Doch geht es in diesem kleinen, aber feinen Ort, eingebettet in für deutsche Verhältnisse panoramischem Hügelland, dynamischer zu als ich dachte. Pioniere der Nachhaltigkeit, Uni- und Forschungsgruppen sowie viele Freiwillige sind dort ansässig: Alle vereint durch das Interesse, in die ganzheitliche Philosophie des Ortes und die auf Permakultur-basierende Lebensweise einzutauchen.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was dieses ganzheitliche Perma-Ding denn soll, oder was das überhaupt ist. Für’s Erste reicht euch vielleicht die folgende übergeordnete Definition von David Holmgren, der die Permakultur als einen „kreativen Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert“, beschreibt. Das heißt, sie versucht, durch ausgeklügeltes Design gesunde Lebensräume für Natur & Mensch zu erschaffen. “Mit wenigen Ressourcen viel erreichen” ist ihre Devise. Auf der Website von der deutschen Permakultur-Akademie, gibt es eine umfassendere Erläuterung, da erfahrt ihr auf die Schnelle noch ein bisschen mehr: https://permakultur.de/was-ist-permakultur/. Falls ihr also Lust auf mehr habt, lasst euch einfach nach und nach mit den Inhalten und Beispielen dieses Blogs berieseln! 

Wie ihr lesen könnt, bin ich SCHWER beeindruckt und freue mich, mich bald in der Permakultur-Praxis wühlen zu können: in Humus & Kompost, auf Obstwiesen & Wildnisgärten, in den Lehm- und Holzbauten, in vollen Bücherregalen und Schulklassenworkshops. Die Zeit ist reif für ein bisschen Bauernhof-Zärtlichkeit. Nicht wie Nena irgendwie, irgendwo, irgendwann. Sondern eben so richtig ab dem 1. März für ein ganzes Jahr auf Hof Luna in Everode!

Der Hof Luna mit seinem Lernangebot wird durch den Verein LandLeben e.V. , der Umweltstiftung Niedersachsens Bingo! sowie durch Spenden und Einnahmen des eigenen Hofladens und der Workshops finanziert. Durch das Engagement von vielen verschiedenen Trägern und Menschen kann dieser besondere Ort seit 1987 am Leben erhalten und weiterentwickelt werden. Der Einsatz und die Liebe der Menschen für den Ort schwingt in ihrer Arbeit & ihrem Alltag mit und steckt an! Jippie!

Wie ihr ja (vielleicht) wisst, dreht es sich bei mir seit ein paar Jahren um die Frage: Was ist eigentlich eine nachhaltige Entwicklung? Man hört es überall und jede/r hat vielleicht auch seine eigene Antwort darauf. Durch mein Studium in Entwicklungszusammenarbeit & Nachhaltigkeit und das Verfassen meiner Masterarbeit zum Thema “Das Potenzial für nachhaltige ländliche Entwicklung durch den ganzheitlichen Ansatz der Agrarökologie”, wurde ich noch stärker mit Fragestellungen rund um Nachhaltigkeit & Gesellschaft und der Bedeutung der Landwirtschaft konfrontiert. Auf mein gesammeltes Wissen, meine immer wachsende Neugier und Freude für diese Themen, möchte ich nun weiter aufbauen. Und zwar am liebsten nicht nur in Gemeinschaft mit Hof Luna, sondern auch mit euch!


Der Gesamtbetrag für das GANZE JAHR beträgt 7.500€. Da sind alle Kosten für Mentoren und Kurse, Lernmaterial, Miete, gesunde & selbst-produzierte Vollverpflegung und Versicherung enthalten: für ein ganzes Jahr übersichtlich und fair, für eine ganze Hannah leider zu viel. Eine Förderung in Höhe von 1.000€ sind schon an Land gezogen, Anträge an weitere Stiftungen sind raus, ein Online-Nebenjob und ein paar weitere Messe-Jobs innerhalb des Jahres sowie ein sparsames Hof-Leben sind Teil des Finanzierungsplans. Da dies jedoch trotzdem nicht reichen wird, lasse ich mich vom Überlebenskonzept des Hofs inspirieren und erkläre nun, warum ich die Hof Luna-Mission liebevoll ein Gemeinschaftsprojekt nenne.


Ich möchte versuchen mein Lern-Jahr auf ähnliche Weise wie Hof Luna zu konzipieren und finanzieren. Ich möchte eine kleine Community um diesen Blog aufbauen und euch für die Permakultur, für Selbstversorger-Themen und eine ganzheitliche Lebensweise begeistern, und euch mit gelerntem Hintergrundwissen und Inhalten eine Freude bereiten. Es wird rund um die Themen Ökologie, Landwirtschaft und das Ernährungssystem sowie um Entwicklung und Gesellschaft gehen. Ein bunter Blumenstrauß also: mal rein informativ, mal mit einer knackigen eigenen Meinung. Vielleicht auch mal ein raffiniertes Back- oder Kochrezept, eine Frage oder Aufgabe aus den Workshops oder ein einprägendes Zitat, das mir eben im Kopf hängen geblieben ist. Ich möchte euch teilhaben lassen an der Dynamik, den Aufgaben, dem Alltag und Zusammenleben auf dem Gemeinschaftshof Luna. Spiel, Spaß und Spannung sind vorprogrammiert!

Ganz nach dem solidarischen Spenden-Prinzip, könnt ihr mich mit einer kleinen aber feinen Spende unterstützen und euch somit an der Hof Luna – Mission sowie an der Produktion dieser Inhalte beteiligen. Natürlich gilt das Motto: alles kann, nix muss. Ist ja klar! Ich freue mich über ALLE BesucherInnen dieser Seite, die sich an den Beiträgen oder Diskussionen erfreuen wollen. Ob als Spender, Mitleser oder einem Mix aus Beidem. Begleitet mich! Lest, fiebert mit, diskutiert und JETZT tragt euch doch erstmal in die E-Mail-Liste unten auf der Startseite des Blogs ein! So seid ihr auf der sicheren Seite, damit ihr auch ja nichts verpasst!


Achtung: Die gesammelten Kröten von Stiftungen, Sponsoren und eigenen Einnahmen fließen auf ein angelegtes Luna-Konto und werden logischerweise ausschließlich für Ausbildungszwecke eingesetzt. Mein Luna-Konto hat sein Zuhause bei der solarisBank AG und empfängt jeden kleinen Euro mit großer Dankbarkeit:  Hannah Eckert und folgender IBAN: DE08110101002962301052 


Falls ihr zu dem Programm, der Finanzierung oder dem Blog noch irgendwelche Fragen habt, beantworte ich euch die natürlich jederzeit gerne. Hier auf dem Blog (denn ihr könnt Beiträge kommentieren) oder privat. Erstmal wünsche ich euch jetzt aber ganz viel Spaß beim Lesen und hoffe, ihr bleibt gespannt dabei. I freu mi. Macht’s gut, ihr Lieben! Eure Hannah

Design a site like this with WordPress.com
Get started